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Inkubatoren für innovative Gründer

Autor: muelders 27.04.2019

190427 Inkubatoren für innovative Gründer

Die Startup-Szene braucht risikofreudige Investoren, deren Engagement über das reine Geldgeben hinaus geht.

VON STEFAN MÜLDERS
WUPPERTAL Das eigene Unternehmen gründen: Für viele engagierte Menschen ist das ein großer Traum. Der Weg dahin ist genauso vielfältig wie der Beweggrund dahinter. Gerade in der jüngeren Vergangenheit ist die Gründung von Startups eine besonders beliebte Form, in das eigene Unternehmertum zu starten. Allgemeine Kriterien für Startups sind die innovative Geschäftsidee und ein hohes vermutetes Wachstumspotenzial. Insofern finden sich viele derart gegründete Unternehmen – durch die allgemeine Digitalisierung durchaus branchenübergreifend – im Internet und Technologiesektor. Dabei ist es allerdings ein Irrglaube, dass diese Art des Gründertums und der innovativen Ideen jungen Menschen vorbehalten ist. „Das Durchschnittsalter der Firmengründer im Silicon Valley liegt bei 43 Jahren", weiß Markus von Blomberg, der mit seinem Geschäftspartner Tomas Brühne in Wuppertal die Mello GmbH betreibt, ein Inkubator für Start-Ups im Bergischen Land.
Auch in der Region gibt es viele Startups, vor allem in den Bereichen Sicherheitstechnik, Gesundheit und Dienstleistungen. Die Nähe zu zahlreichen Universitäten und Hochschulen in der Region spielt dabei ebenso eine Rolle wie die rekrutierbaren Mitarbeiter und potenziellen Kunden, die sich rund um das Bergischen Land durchaus zahlreich finden. „Für erfolgreich Startups gibt es im Prinzip vier wesentliche Faktoren", sagt von Blomberg. „Eine gute Idee, Menschen, die sie umsetzen, Geld zur Finanzierung und Kunden." Ideen kämen sehr viele aus dem universitären Umfeld, aber auch aus den mittelständischen Betrieben heraus. Zukünftige Mitarbeiter und Fachkräfte fänden sich ebenso in Wuppertal wie im Umland, zum Beispiel Bochum, Düsseldorf oder Köln. „Und die Kundenmärkte sind hier in der Region mit Automotive, Gesundheitsbranche, Medizintechnik und Dienstleistungen unter anderem in der IT oder dem Personalmanagement hochinteressant."

Eine wichtige Hürde: Die Finanzierung

Für viele Startups ist die Finanzierungsfrage eine wesentliche, wenngleich die Experten genau diesen Punkt als weniger wichtig erachten. „Vor dem Geld kommen eigentlich viele andere Dinge", sagt Tomas Brühne. „Aber in der Tat benötigt man dafür nicht die herkömmlichen Banken, die finanzieren derartige Geschäftsmodelle nicht, sondern Menschen und Institutionen, die bereit sind, hohes Risiko zu gehen." Über ein derartiges Netzwerk verfügt beispielsweise die Mello GmbH wie auch der Seed- und Wachstumsfonds „Bergisch Land – Südwestfalen" (blsw.de), in dem Brühne und von Blomberg zwei von insgesamt fünf Fondsmanagern sind. Hierin haben Mello GmbH und EnjoyVenture GmbH Privatpersonen und Familienunternehmen zusammengeführt, die als „Business Angel" bereit sind einen Teil der Startup-Finanzierung zu übernehmen – die Grundlage dafür, dass Förderbanken wie die NRW.Bank, bundesweit die KfW oder Fonds wie der „High-Tech Gründerfonds" (HTGF) ebenfalls mitfinanzieren. Daher wenden sich innovative Gründungswillige zunächst an entsprechende Organisationen, die wie die Mello GmbH auch nicht nur finanzieren, sondern vor allem mittelfristig begleiten und beraten. „Unsere Strategien sind darauf ausgelegt, nach fünf bis sieben Jahren einen Exit zu vollziehen", sagt Brühne. Das ist auch in etwa die Zeit, nach der ein Startup nicht mehr als solches gilt beziehungsweise gelten will. „Wobei das meist auch eine Gefühlslage ist", ergänzt von Blomberg. „Als Startup befinden sie sich bildlich gesprochen irgendwo zwischen Abitur und Studium, genießen die Vorzüge der besonderen Aufmerksamkeit und Unterstützung, möchten aber trotzdem schnell erwachsen sein, als verlässlicher Lieferant oder Dienstleister gelten. Darum lässt sich der Startup-Begriff schlecht mit einer festen Laufzeit belegen."

Am Anfang steht die Idee

Eine gute Idee ist schon eine wichtige Basis für die Gründung eines Startup. Aber erst dann beginnen die eigentliche Arbeit und die Suche nach den Umsetzungsmöglichkeiten. Investoren und Inkubatoren findet man unter anderem über einen etwa siebenminütigen Pitch bei einer der vielen „Business Angel Marktplätze" (BAM) in NRW – zwei davon finden pro Jahr auch in der Wuppertaler Schokoladenfabrik von Mello statt. Die Teilnehmer können sich mit ihrer Idee sowohl bei Mello wie auch bei der NRW.Bank bewerben und fünf werden dann für den Pitch ausgewählt. Das Beratungsangebot beginnt aber schon vorher. „Auf ihrem Weg bekommen Gründungswillige sehr viele Informationen durch erfahrene Unternehmer, sodass sich für sie schon der Beratungsprozess oftmals lohnt, auch wenn es letztendlich nicht zu einer Finanzierung kommen sollte", erklärt Markus von Blomberg. „Als Investoren schauen wir uns 100 Ideen an, von denen drei in die ganz enge Wahl kommen und meist bleiben zwei davon übrig."
Auch für das Scheitern von Startups gibt es verschiedene Gründe. Die beginnen mit dem „falschen" Team, gehen über fehlende Kundenorientierung bis hin zu mangelnder Flexibilität im Konzept. Erst zuletzt ist das fehlende aber stets notwendige Geld Ursache für die Aufgabe einer Geschäftsidee.

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