.

Kork statt Leder für die Tasche

Autor: muelders 07.05.2019

190507 Kork statt Leder für die Tasche

190520 Kork statt Leder für die Tasche

Der Wülfrather Jungunternehmer Björn Sperling setzt bei Produkten und Firmenphilosophie auf Nachhaltigkeit.

VON STEFAN MÜLDERS
WÜLFRATH Mein Baumhaus – mein Fahrrad – meine Sperling-Bag. So könnte das Kräftemessen unter Nachhaltigkeits-Freunden schon heute aussehen. Denn vegane Taschen aus Kork und Baumwolle sind schon längst keine Zukunftsvision mehr. Eher zufällig hat der Wülfrather Björn Sperling den von Pinwänden und Weinflaschen bekannten Naturstoff als Lederersatz „gefunden". Und damit vor zwei Jahren – begleitend zu seinem Maschinenbau-Studium, das er im April mit der Abgabe der Bachelor-Arbeit abgeschlossen hat – seine zweite Firma aufgebaut. Mit dem will er ab sofort richtig durchstarten, sich voll auf sein Unternehmerdasein konzentrieren.
Mit Abfallprodukten fing vor rund acht Jahren alles für den leidenschaftlichen Kite-Surfer und Kitebuggy-Fahrer an. „Mir ist eines meiner Kitesegel kaputt gegangen und ich habe überlegt, was ich damit noch sinnvolles anfangen könnte", erinnert sich der heute 25-Jährige. „Ich stellte mir vor, Taschen daraus zu nähen, nur konnte ich das überhaupt nicht." Mit der Nähmaschine der Oma und ein paar Youtube-Erklärvideos legte er einfach los und fand mit seinen Produkten sofort Anklang im Freundeskreis. Für kleines Geld produzierte er auch für sie Taschen, Abdeckhauben und ähnlich nützliche Dinge aus LKW-Plane und wurde dabei immer besser. Omas Utensil ist inzwischen einer mehr als 60 Jahre alten Pfaff-Qualitätsmaschine gewichen, die für die Produktion von Prototypen, Kleinserien und Sonderanfertigungen immer noch ihren Dienst tut.

Die Freundin gab die Anregung für vegane Taschen aus Kork

Als seine Freundin für ihr Jurastudium eine neue Tasche haben wollte, musste etwas anderes her als die bunten Gewerke. Aber Leder sollte es auch nicht sein. Die Recherchen brachten Sperling auf Kork, den es auch als Textilstoff gibt. „Diese Idee wollte ich größer machen und habe bei meiner Suche kein Unternehmen auf der Welt gefunden, das Taschen aus Kork verkauft." Allerdings auch keines, das sie produziert. Kurzerhand begab sich der Jungunternehmer im Herbst 2017 mit einem Freund zusammen auf die Reise durch Europa. Aber sie fanden weder in Osteuropa noch in Portugal geeignete Produktionsstätten. Über weitere Internetrecherchen kam dann Indien ins Spiel. „Mir haben mehrere Firmen zurückgeschrieben und dann kristallisierte sich eine heraus, bei der die Art der Kommunikation und Arbeitsgeschwindigkeit zu passen schien." Auch in das Nachhaltigkeitskonzept seiner Firma passte der Produktionsbetrieb hinein. Auf ein erstes Treffen am Rande einer Messe in Offenbach folgte ein Kurzbesuch in Indien. „Da planen wir gerade in diesem Jahr noch einen längeren Aufenthalt, bei dem wir dann auch ein Imagevideo vor Ort drehen und die Mitarbeiter kennen lernen wollen."
Abgesehen vom Direktvertrieb will Björn Sperling jetzt, wo er mehr Zeit in sein Business investieren kann und keine Klausuren mehr dazwischen kommen, die Händlerkontakte intensivieren und auch das Geschäft mit individualisierten, mit Firmenlogo oder -name versehenen Produkten vorantreiben. „Hierfür benötigt man dann schon einen Bestellmenge ab 100 aufwärts, aber Nachhaltigkeit setzt sich thematisch auch bei Werbegeschenken immer mehr durch." In Zukunft will er etwa eine Messe pro Monat besuchen, in diesem Jahr werden es noch paar mehr sein. Erfahrung sammeln und dann aussortieren, so ist der Plan des Wülfrathers – der seine Taschen „von Düsseldorf in den Rest der Welt" bewirbt. Noch ist er alleine in seinem Unternehmen mit Zentrale unterm Dach des elterlichen Hauses. „Aber über kurz oder lang werde ich den ersten Mitarbeiter benötigen. Dann beginnt noch mal ein neues Kapitel."

Produktvielfalt wächst langsam

Preisspanne Derzeit können im Online-Shop von Sperling-Bags Produkte von 25 Euro (Geldbörsen) bis 180 Euro (Notebook-Tasche) erworben werden.
Vertrieb Neben dem eigenen Shop nutzt Björn Sperling vor allem Social Media für die Verbreitung seiner nachhaltigen Produktideen. Von hier kommen oft auch neue Anregungen.
Neuheiten Nach und nach entwickelt Sperling weitere Produkte, bis Jahresende will er insgesamt zehn unterschiedliche Artikel anbieten.
www.sperling-bags.com

Dieser Artikel wurde bereits 304 mal angesehen.

Powered by Papoo 2016
58049 Besucher