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Eine späte Chance zum Neuanfang

Autor: muelders 04.06.2019

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Mit 57 Jahren startete Constantin Schuster noch eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger.

VON STEFAN MÜLDERS
KREIS METTMANN Auf den ersten Blick könnte Constantin Schuster auch einer der Bewohner hier sein. Doch der 58-Jährige steht im Seniorenpark Carpe Diem in Mettmann „auf der anderen Seite". 2018 hat er noch seine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger begonnen, mit 60 Jahren – also kurz vor der Rente – wird er sie abgeschlossen haben.
„Ich liebe diesen Beruf", sagt der gebürtige Rumäne, der aber seit 26 Jahren in Deutschland lebt. „Ich kann hier Menschen zum Lachen bringen, ihnen helfen, für sie da sein – wenn auch nur kurz. Und ich bekomme so viel in Form von Dankbarkeit von ihnen zurück." Dabei wollte Schuster in seiner Heimat ganz was anderes machen: Statt Menschen zu pflege hatte er es auf die Pflege großer Maschinen abgesehen. Nach seinem Abitur begann er ein Studium zum Flugzeugingenieur, musste das aber wegen unvorhersehbaren Ereignissen in der Familie abbrechen. „Meine Eltern verstarben kurz hintereinander und dann konnte ich mir das Studium nicht mehr leisten." Als Bergmann wollte er die nötigen finanziellen Mittel zum Weiterstudieren verdienen, aber trotz guter Bezahlung reichte auch das nicht. Letztendlich kam er 1992 im Spätaussiedler-Programm nach Deutschland. In Mettmann arbeitete er zwölf Jahre lang als Feuerverzinker in der Metallindustrie, ehe sein Arbeitgeber im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Mitarbeiter entlassen musste.

In der Krise lag die Chance

„Ich war damals gerade 49 Jahre alt und kurzzeitig am Boden zerstört. Im Nachhinein betrachtet bin ich aber heute dankbar für diese unschöne Entwicklung." Denn auf diesem Wege fand Constantin seine eigentliche Berufung. Die Unterstützung durch die Behörden hielt sich in Grenzen, aber in den Stellenanzeigen der Zeitungen fand er die Anzeige für die Ausbildung zum Altenpflegehelfer beim Roten Kreuz. Im Rahmen dieser einjährigen Ausbildung absolvierte Schuster auch ein zweiwöchiges Praktikum im Seniorenpark Carpe Diem. „Hier wurde ich gebraucht, fühlte mich nützlich und letztendlich hat meine Wohnbereichsleitung mir noch im Praktikum geraten, mich hier zu bewerben, wenn die Ausbildung fertig ist." Acht Jahre arbeitete er anschließend als Pflegeassistent im Mettmanner Haus, absolvierte mehrere Fortbildungen wie zum Beispiel in der Behandlungspflege. „Dadurch war ich qualifizierter Helfer und konnte auch mehr pflegerische Aufgaben übernehmen." Er wurde Inkontinenz-Beauftragter und Sicherheitsbeauftragter in der Pflege.
Während dieser Zeit hatte Constantin Schuster schon zweimal die Gelegenheit, die Examinierten-Ausbildung zu beginnen. „Aber ich habe den Platz beide Male an junge, engagierte Menschen weiter gegeben. Ich war zufrieden hier und mit der Art meiner Arbeit." Bis er als Krankheitsvertretung mal für einige Zeit in der Haustechnik aushelfen musste. „Auch die Arbeit hat mir Spaß gemacht, aber die Bewohner haben mich vermisst, immer wieder nach mir gefragt und sich sogar schriftlich an die Geschäftsführung gewandt. Da merkte ich, dass ich hier wirklich gebraucht werde!" Im dritten Anlauf startete der inzwischen nicht mehr ganz so junge dann doch noch durch und ging beherzt die Ausbildung an.
„In der Pflege gibt es immer eine Chance auf einen Neuanfang", sagt Schuster. „Die Branche bietet so viele Facetten und Weiterbildungsoptionen, da kann fast jeder seine persönliche Aufgabe finden. Und es ist nicht so monoton wie am Fließband oder einer Maschine." Interessierten empfiehlt der erfahrene Altenpflegehelfer, in den Beruf hinein zu schnuppern, dann stelle man schnell fest, ob die Arbeit wirklich zu einem passt. „Man bekommen auf jeden Fall sehr viel von den Menschen zurück, mit denen man zu tun hat. Es ist das Tollste, was ich in meinem Leben gemacht habe."

Von der Maschine ans Pflegebett

Kontrovers In seinem Berufsleben lernte Constantin Schuster mit Fabrik und Pflegebranche zwei völlig verschiedene Welten kennen.
Angehörige Mit den Verwandten seiner Bewohner pflegt er oft einen engen Kontakt, teilweise auch nach deren Tod noch.
Perspektive Auch dem Examen will Schuster sich intensiv weiterbilden. Eine Führungsposition schließt er nicht aus.

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